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"Oh, du schöner Westerwald..."
 
Jeder kennt das Lied und weiß dann auch genau: - „... über Deine Höhen pfeift der Wind so kalt..." So war es aber nicht, als die KAB St. Antonius ein Familienwochenende in dem Schullandheim in Asbach-Niedermühlen verbrachte, Freitagnachmittag hieß es für alle Teilnehmer an dem Wochenende: Taschen, Koffer, Schuhe, Kinderwagen, Spiel- und Bastelzeug... einpacken, eben alles das, was man ja eigentlich nicht mehr mitnehmen will, weil es das Auto nur voll macht, man es aber um so dringender am Orte der "Erholung" benötigt. Und so ging es dann los, mit -"Kind und Kegel" rein in den Wochenendstau auf der A 3 Richtung Siegburg. Nach anfänglich zügiger Fahrt, blieb dann nur noch ein Anfahren und Abbremsen und natürlich die ständigen Fragen aus der hinteren Reihe: "Wann sind wir endlich da?". "Hunger haben wir auch, das schaffen wir nie bis zum Abendbrot!" Selbst dem Fahrer blieb noch die Zeit, sich anfänglich im ruhigen Ton mit der hinteren "Motzerbank" zu verständigen. "Bleibt schön ruhig, gleich sind wir da, wir wollen uns ja erholen, wartet nur ab!" Eine Floskel folgte der anderen, bis dann auch die vordere Sitzreihe im Auto kurz vor dem ersten Nervenstress stand.
 
Aber siehe da, auch diese Fahrt hatte ein glückliches Ankommen in Niedermühlen, und die schon anwesenden Familien begrüßten sich herzlich: ja, auch im Stau gestanden, haben wir ja schon vorher gewusst, auf der A 3 ist am Freitagnachmittag der Teufel los; die Hauptsache ist, dass das Wetter mitspielt und es schön trocken bleibt. Übrigens, ist das Abendbrot schon vorbei?" Als diese Frage mit einem kräftigen "Nein" beantwortet war, waren die Kinder aus dem Häuschen, und das Familienwochenende fing schon einmal gut an.
 
Nach der Stärkung ging es zur Diskussionsrunde mit dem Bezirkssekretär Dieter Göden, der sich bemühte, das überschäumende Temperament der Kinder zu bändigen und den Erwachsenen Gedankenanstöße zum Thema "Die Wertvorstellungen in unserer heutigen Gesellschaft" zu entlocken. Beides blieb dann doch - scheinbar durch die fortgeschrittene Zeit und den immer noch in den Knochen sitzenden Stau - in den Kinderschuhen (von Oma und Opa) bis auf weiteres stecken. Der Abend endete dann - wie immer - westfälisch bunt, d.h. die Herren rechts, die Damen links, was allerdings der Stimmungslage in beiden Lagern keinen Abbruch tat.
Die Nacht fiel auf Niedermühlen, dieses war die erste "Diskussionsrunde".
 
Da man ja bekanntlich in fremden Betten nie so den rechten Heimatschlaf findet, waren die Kinder, dann auch die Erwachsenen, recht schnell aufnahmebereit für das bevorstehende Frühstück. Da es allerdings ebenso bekannt ist, dass es anderswo immer besser schmeckt als Zuhause, waren die Brötchen und Beilagen im Nu dorthin verschwunden, wo man Zuhause immer längere Zeit für in Anspruch nehmen muss -"Nun iss doch mal endlich Dein Frühstück auf“ - entfiel.
 
Nach dem Frühstück war es ebenso hell und Morgen geworden, dass schon die zweite Diskussionsrunde sich anbahnte. Die Kinder wurden von der Diskussionsrunde entbunden, da sie schon am vergangenen Abend mit Unaufmerksamkeiten und Sprachlosigkeit glänzten. Als hörte man den Westerwald von Ferne brausen, atmeten die Kinder einmal tief durch und stürzten mit Fußbällen und Gummistiefeln bestückt auf den Sportplatz und in den naheliegenden kleinen idyllischen Dorfbach. So verblieben dann einige eiserne Kämpfer im Hause zur Runde 2 derselbigen Diskussion. Die Anderen, die sich mit dem Los der Kinderbetreuung zurückzogen hatten, bekamen um die Mundwinkel ein nicht zu übersehendes Lächeln oder sogar Lachen, was aber die im Hause Verbliebenen nicht abhielt, sich über Werte, Transzendenzen (Der Neue Herder: allg. "den eigenen Bereich übersteigend, überschreitend) Solidaritäten und, und, und.... zu diskutieren, sodass das Mittagessen um so besser schmeckte.
 
Der Samstagnachmittag wurde dann allerdings auch dazu genutzt, da es sich ja um ein Familienwochenende handelte, einen gemeinsamen Spaziergang durch Täler und Wiesen zu unternehmen. Da ein Mathematiker den Spazierweg bekanntlich besser ausrechnen kann als ein Geograph, dieser allerdings die Karte intensiver studieren und lesen kann, drehten die Kinderwagen auf halbem Wege um und der Rest der Truppe, die wild Verwegenen, nannten das Queren der Wiesen und Übersteigen und Durchkriechen der Elektrozäune Abenteuerspaziergang. Dieser hatte dann allerdings auch seinen Höhepunkt, als die Teilnehmer des Familienwochenendes der KAB teils gut, teils weniger gut beschuht, den Weg durch ein schlammiges Bachtal durchquerten und dabei einen freilebenden Fuchs, du hast die Gans gestohlen" (Simon S.: 264 Strophen) aus dem Dickicht aufschreckten und dieser ganz Nah an der Abenteuerspaziergangsgruppe vorbeihastete. Das macht die Spontaneität der Natur aus, die solche Wochenenden doch erst richtig leben lassen. "Sebastian, pass auf, ein Fuchs!" Wann kann man sowas schon einmal in Freisenbruch rufen.
Doch uns rief etwas anderes, nämlich der Nachmittagskaffee und die noch ausstehende 3. Runde der Diskussion, die einen anderen Verlauf nahm, als sich es so manch Einer gedacht hatte. Das Zepp´ter wurde weitergereicht und so entstand ein gemeinsamer Familiennachmittag.
 
Die Kinder wurden aufgefordert auf großen Papierstücken ihre Vorstellungen von Zukunft zu malen, und mit den Eltern zusammen wurde dann das Lied gesungen "Komm, bau ein Haus, das uns beschützt' - Die Eltern bauten mit ihren Händen ein Haus, in dem die Kinder Schutz fanden. "Pflanz einen Baum, der Schatten wirft, und beschreibe den Himmel der uns blüht" - Die Kinder, die noch nicht so firm waren, den Buntstift zu führen, bauten aus kleinen Zweigen und Hölzern in der Mitte des Saales symbolisch einen Baum und setzten sich rings herum.
 
Lad viele Kinder ein ins Haus, versammle sie bei unserm Baum, lass sie dort fröhlich tanzen, wo keiner ihre Kreise stört, lass sie dort lange tanzen, wo der Himmel blüht." - Allen Kindern und Erwachsenen bereitete die Auslegung des Liedes mit Symbolen und Gestiken viel Freude und alle machten kräftig mit. Nachdem auch die alten Leute und Tiere ins Haus eingeladen wurden, weil unser aller Leben davon und damit seine Kreise zieht, zogen sich die Erwachsenen in eine erneute Gesprächsrunde zurück, und die Kinder hatten ausgiebig Zeit, ihre Träume und Wünsche zu malen.
 
Die Mädchengruppe erhoffte sich in ihren Träumen und Wünschen eine Welt ohne Krieg und Umweltverschmutzung, sondern ein schönes Leben im Einklang mit den Menschen und der Natur. Die Jungengruppe allerdings hatte sich mehr der Wunschwelt zugewandt, sie malten gute Zeugnisnoten und ein ebenso gutes Abitur, den Besitz eines Sportwagens und einer Prachtvilla. Selbst der Berufswunsch war schon etwas außergewöhnlich: Bundeskanzler. Bei soviel Wunschdenken, blieb die Realität aber nicht im Sande stecken, denn zum Schluss ihres Wunschweges malten die Kinder einen Friedhof, damit man immer vor Augen habe, dass es bei allem Reichtum und Luxus immer nur das eine Ende gäbe.
 
Die Kleinsten kreierten Häuser auf das Papier und ließen Kinder in den Straßen spielen. Der gelungene Nachmittag endete mit der Präsentation der Bilder und dem nochmaligen Singen des Liedes "Komm, bau ein Haus..." Danach fanden sich die Teilnehmer auf der Bachbrücke zu einem Gemeinschaftsfoto mit Bild ein. Dass das Abendessen um so schmackhafter war, kann sich jeder nach diesem schönen Nachmittag denken. Der Tag nahm seinen Ausklang im Singen verschiedener Fahrtenlieder und Kanons.
 
Der Sonntag wurde zum gemeinsamen Messebesuch genutzt. Die Familien der KAB füllten die Kirchenbänklein der Pfarrkirche in Limbach mit vielen Kindern, so dass der Pfarrer sehr erstaunt war beim Einzug und als erstes die Kinder, "die heute so zahlreich erschienen sind", begrüßte. Die Messe endete und ebenso der Appetit der Pferde, die am Kirchparkplatz standen und die Lackierung der Motorhaube unseres ersten Vorsitzenden köstigten. Aber auch diese Begebenheit konnte gütlich geregelt werden und so zog es uns wieder Richtung Heimat, die A 3 entlang, ohne Stau und unnötige Wartezeit. Resümee des Wochenendes: Das machen wir wieder und für die Kinder war es bereits abgemachte Sache, hier fahren wir wieder hin. Wenn dann auch noch das vorhandene Schwimmbad wieder mit Wasser gefüllt sein wird, was uns dieses Mal versagt war, dann wird das Wochenende nochmal so schön.
 
Übrigens: Als wir wieder in der Heimat waren, pfiff der Wind ganz kalt, und trocken war es auch nicht!!!
 

 

 

aktualisiert am 16. Oktober 2017

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