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Abraham, Aufbruch im Vertrauen auf Gott

 
Bildungswochenende der KAB St. Antonius Essen-Freisenbruch
vom 24. bis 26. September 2004 in Baasem/Eifel
 
Am Freitag, dem 24. September, brachen zu unterschiedlichen Zeiten vierzig Teilnehmer aus Freisenbruch und Umgebung auf in die Eifel, nach Baasem, in die Familienferienstätte St. Ludger.
"Abraham, Aufbruch im Vertrauen auf Gott, so lautete das diesjährige Thema unseres traditionellen Bildungswochenendes. Wie schon in den letzten drei Jahren, begleitete uns Bildungsreferentin Barbara Reene-Spillmann, die mit Kompetenz und Verständnis durch das Wochenende führte. Die Aufteilung der Gruppen nach Lebensalter hatte sich bewährt und wurde auch in diesem Jahr wieder praktiziert. So konnten sich unsere Kinder und Jugendlichen ebenfalls mit der Thematik befassen, allerdings, wie wir noch sehen werden, auf eine etwas andere Art.
Durch die Vorbereitung des Wochenendes war bekannt, dass in unmittelbarer Nähe unseres Wochenenddomizils eine Abtei zu finden sei. Die Abtei "Maria Frieden" war nach vorheriger fernmündlicher Absprache durch Barbara Reene-Spillmann das Ziel einer Exkursion der jüngeren Teilnehmer am Samstagvormittag. Siebzehn Kinder und Jugendliche zwischen sechs und vierzehn Jahren wurden mit eigenen Kleinbussen zum Kloster gebracht. Direkt am Parkplatz wurden sie von Schwester Inge empfangen und freundlich begrüßt. Schwester Inge, eine 70-jährige Trappistin lebt, betet und arbeitet seit mehr als 35 Jahren in dieser Abtei. Sie, eine ehemalige Grundschullehrerin, ist ein lebendiges Beispiel für unser Thema "Aufbruch im Vertrauen auf Gott" und somit ein optimaler Gesprächspartner für unsere Kinder.
Im Gespräch mit den Kindern, aber auch mit den beiden erwachsenen Begleitern wusste Schwester Inge viel Interessantes zu berichten. Sowohl aus ihrem früheren weltlichen Leben als auch aus ihrem 35-jährigen Leben als Schwester hinter Klostermauern. Mit Freude nahm sie die Fragen unserer Gruppe auf und beantwortete sie, ging auf Zwischenfragen ein und verlor doch nicht den Faden in ihren Ausführungen. So erfuhren wir auch etwas über die Geschichte des Klosters. Es wurde im Jahr 1953 nach einjähriger Vorbereitungszeit durch vier holländische Trappistenschwestern, die vom Mutterhaus speziell zu diesem Zweck entsandt worden waren, gegründet und zwei Jahre später zur Abtei erhoben. Erst fünfzehn Jahre später, 1968, wurden die Baumaßnahmen abgeschlossen.
Trappisten, erzählt Schwester Inge, gehören zur benediktinischen Familie und leben streng nach den Regeln des hl. Benedikt in völliger Stille und sind strenge Vegetarier.
"Stabilität - Bekehrung - Gehorsam", das sind die Gelübde, welche die Schwestern nach einer mindestens sechs Jahre dauernden Vorbereitungszeit ablegen. So leben in der Abtei Maria Frieden heute 25 Schwestern im Alter zwischen 35 und 90 Jahren nach den traditionellen Regeln des Mönchstums:
• Trennung von der Welt - einfacher Lebensstil
• Gebet und Lesung - körperliche Arbeit
• Gemeinschaftsleben.
Täglich siebenmal besuchen die Schwestern ihre Abteikirche, früh um vier zum ersten Mal und am Abend um halb acht zum letzten Mal. Dazwischen arbeiten sie im und am Haus, im Garten, in der eigenen Weberei oder der Paramentenwerkstatt, wo die gewebten Stoffe zu Gewändern verarbeitet werden. Auch in der Buchbinderei oder bei der Herstellung von Kräuterlikör zeigen die Schwestern, dass sie für sich selbst sorgen können. Alle Produkte werden verkauft und so der Unterhalt des Klosters gewährleistet. Für die klostereigene Landwirtschaft sind seit einiger Zeit zwei Hilfen engagiert. Die Schwestern schaffen die schwere körperliche Arbeit nicht mehr. Und das, obwohl sie sich fit halten, nicht durch Sport, wie eines der Kinder vermutete, sondern durch Arbeit. Schwester Inge gibt aber zu, "bis vor einigen Jahren jeden Morgen eine halbe Stunde rasch gegangen zu sein". Walking auf trappistisch.
Warum entschließt sich eine junge Frau, die nach eigenen Aussagen mitten im Leben steht, eine gute Ausbildung, Freunde, Eltern und Geschwister hat, für ein Leben unter Entbehrungen in der Abgeschiedenheit? Diese zugegebenermaßen persönliche Frage beantwortete Schwester Inge präzise. "Es war wie ein Blitz, der mich traf, und dann sagte jemand zu mir, ich solle ein anderes, neues Leben beginnen. Als nächstes durchfuhr mich der Begriff "Trappisten". Etwas, von dem ich nie zuvor gehört hatte. Ich schlug im Lexikon unter "T" nach, fand den Begriff, eine Erklärung und eine Adresse. Ein halbes Jahr später war ich hier im Kloster. Diese Entscheidung habe ich nie bereut."
Unsere Kinder sitzen staunend, beeindruckt und vor allen Dingen auffallend still auf den Stühlen in dem ehemaligen Schafstall, der zu einem einfachen Vortragssaal umgebaut ist. Wenn man genau "hinriecht", ist noch etwas von den früheren Bewohnern zu erahnen, wenngleich Schwester Inge, darauf angesprochen, etwas von Reinigungsmitteln murmelt.
Dann geht es hinüber ins Gästehaus. Dorthin, wo die Schwestern ab und zu Besuch empfangen dürfen. Menschen aus ihrem früheren Leben kommen hierher. Mit denen dürfen sie ein wenig plaudern oder, so wie neulich, den Familiennachwuchs bewundern. Doch auch hier bleibt die Trennung zwischen Kirche und Welt allgegenwärtig. Sichtbar gemacht durch eine Art Durchreiche oder Kassenschalter. Die einen sitzen hüben, die anderen drüben.
Zum Schluss dürfen die Kinder noch einen Blick in die Abteikirche werfen, mit den riesig wirkenden Antiphonalen und dem neuen Chorgestühl. Ermöglicht wurde diese Anschaffung, so Schwester Inge, durch die großzügige Spende eines mittlerweile verstorbenen Gönners.
Und dann, ganz plötzlich, wird die zierliche alte Frau unruhig, beinahe hektisch. Es ist zwei Minuten nach elf, und um elf Uhr beginnt der Arbeitsdienst. Keine Zeit mehr, uns persönlich zu verabschieden, keine Zeit mehr, die Türen zu verschließen. "Ziehen Sie bitte die Tür zum Gästehaus zu", bittet sie mich und weist uns noch schnell den Weg aus dem Seitenschiff des Gotteshauses. Und dann ist sie plötzlich verschwunden, wieder eingetaucht in das strenge Leben des Klosters. Um zu beten, zu arbeiten und zu leben. Auf mich machte sie einen glücklichen Eindruck.
Still verlassen wir das Kloster und machen uns zu Fuß auf den Rückweg. Zurück nach Baasem, und ganz allmählich werden unsere Gespräche wieder lauter.

 

 

 

aktualisiert am 16. Oktober 2017

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