Geschichte unserer KAB

 

Geschichte unserer KAB

KAB - Katholische Arbeitnehmer Bewegung St. Antonius, Essen-Freisenbruch

 

Mitte des 19. Jahrhunderts änderte sich das Gesicht Freisenbruchs. Die Landwirtschaft hatte den Ort bis dato beherrscht, der zu Recht die Bezeichnung Bauernschaft führte. In Freisenbruch lebten in 21 Häusern 102 Menschen in 23 Familien. Von den 23 Familienvätern waren 12 Bauern,2 Leineweber und lediglich 4 Bergleute.

 

 
Die technische Entwicklung des Bergbaus machte es aber möglich, vom Stollenbergbau auf den Tiefbergbau überzugehen. Im Jahre 1857 wurde in Freisenbruch der erste Schacht der Zeche Eintracht Tiefbau niedergebracht. 1872 folgte der zweite und später, 1910, der dritte Schacht. Das Ruhrgebiet, und natürlich auch Freisenbruch, zog Menschen aus allen Teilen Deutschlands an, um hier Arbeit zu finden.
 
Die Einwohnerzahl Freisenbruchs stieg in dieser Zeit bis auf 7164. Die gesellschaftliche Anerkennung dieser hart arbeitenden Menschen war allerdings sehr gering. Eine soziale Absicherung war nicht vorhanden und ihre Stellung am ehesten mit "Lohnsklaven" zu vergleichen. Schon 1848 hatte der spätere Bischof Wilhelm Emanuel von Ketteler öffentlich auf die schlechte Lage der Industriearbeiter hingewiesen. Er setzte sich für Reformen ein und rief zur Selbsthilfe auf.
 
1856 wurde in Steele der St. Antonius Knappenverein, als christlich-soziale Vereinigung, gegründet.
Nachdem auch Papst Leo XIII 1884 die Bildung von Arbeitervereinen empfohlen hatte, wurden einige Freisenbrucher Arbeiter aktiv. So kam es 1887 in Freisenbruch zur Gründung des christlichen Arbeitervereines. Die Freisenbrucher verfolgten betrübt, wie in den Nachbargemeinden neue Gotteshäuser entstanden (1887 St. Josef, Horst und 1895 St. Barbara, Kray), während sie selbst immer noch zu St. Laurentius in Steele gehörten. Erste Überlegungen zum Bau einer neuen Kirche kamen bereits 1892 auf. Es sollte jedoch noch bis zum 21. April 1901 dauern, bis der Grundstein zum eigenen Gotteshaus in Freisenbruch gelegt werden konnte. Der christliche Arbeiterverein stiftete der Gemeinde als Zeichen der Verbundenheit eines der großen Chorfenster; und zwar jenes mit der Darstellung des hl. Antonius, der die Irrlehrer bekehrt.
 
Der Verein befand sich damals in seiner Blütezeit und benannte sich 1901 um in Katholischer Arbeiterverein. Seine Mitglieder fanden zum einen Hilfe bei der Lösung sozialer Probleme, zum anderen eine Begegnungsstätte zur Erörterung religiöser und kirchlicher Fragen. Der Zusammenhalt des Vereins wurde außerdem schon immer durch "Gesang und den Genuss christlich-froher Geselligkeit" gefördert. Im Jahre 1912 wurde das 25-jährige Jubiläum gefeiert und eine neue Fahne mit dem Bildnis des Hl. Josef geweiht, die uns noch heute begleitet.
 
Der erste Weltkrieg (1914-1918) brachte viel Leid nach Freisenbruch und auch in den Verein. Viele Mitglieder verloren im Kampf für das Vaterland ihr Leben.  In der dann folgenden stürmischen Zeit folgten die ersten Zechenstilllegungen, leider auch die der Schächte der Eintracht Tiefbau. Am 3. August 1925 wurde die letzte Schicht gefahren und von 1600 Beschäftigten wurden lediglich 800 heimatnah in Bochum untergebracht. 300 Menschen fanden Arbeit außerhalb und 500 Beschäftigte fielen der Arbeitslosenfürsorge anheim.
 

         

14. August 1927 - kath. Knappen-Verein St. Barabara Steele-Freisenbruch, gegr. 1924 "Zur Erinnerung an unsere Fahnenweihe"

 


 

In dieser unsicheren Zeit wurde 1924 in unserer Pfarre St. Antonius auch noch der St. Barbara Knappenverein gegründet. Josef Klaas, einer der Vereinsgründer, wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt und sollte dieses auch die nächsten 45 Jahre bleiben. Obwohl die wirtschaftlichen Voraussetzungen nicht günstig waren, unterstützte der Verein die finanziell schwachen Freisenbrucher. Erstkommunionkinder wurden schon 1928 mit 8,- Mark pro Kind bedacht, welches jahrelang beibehalten wurde. Ferner begann der Verein mit dem Aufbau einer Theatergruppe, die auch Darbietungen im Saalbau zu Sarhage veranstaltete. Zu Einkehrtagen und Glaubensfahrten machte sich der Verein erst in nähere, später auch in fernere Gebiete auf. Der "Freisenbrucher-Familien-Fahrtenring“ war entstanden.
 
Am 10. November 1931 veranstaltete der Knappenverein den ersten Martinszug in der Gemeinde, welcher auch noch heute zur Tradition gehört. Viele Freisenbrucher Bergleute, die bis dato noch Mitglied im St. Antonius Knappenverein in Steele waren, wurden Mitglied im neu gegründeten St. Barbara Knappenverein, der viele Veranstaltungen mit dem katholischen Arbeiterverein gemeinsam durchführte. 1939 spendeten beide Vereine eine nicht geringe Summe für die Anschaffung einer neuen Orgel in unserer Pfarrkirche.
 
Auch der aufstrebende Nationalsozialismus tangierte beide Vereine. Bereits 1931 wird beantragt,dass Personen, die sich zum Nationalsozialismus bekennen, nicht in den Vereinen aufgenommen werden können bzw. welche bereits Mitglied dieser Partei sind, aus den Vereinen ausgeschlossen werden. Am 10.01.1932 wurde dieser Antrag einstimmig angenommen. Aber im Jahre 1940 wurden die ersten Mitglieder zum zweiten Weltkrieg eingezogen und ab 1942 wurden keine Versammlungen mehr öffentlich im Vereinslokal abgehalten, sehr kurze Besprechungen fanden in der Sakristei statt.
 
Der Neuanfang nach dem Krieg ermöglichte eine durchgreifende Veränderung. 1947 wurde aus dem Katholischen Arbeiterverein und dem St. Barbara Knappenverein der "St.  Barbara Knappen- und Arbeiterverein", unsere heutige KAB, um sich nicht mehr den Luxus zweier Männervereine innerhalb einer Pfarre zu leisten. Den Vorsitz hatte weiterhin Josef Klaas inne. Auch die Mitglieder des Vereins spendeten Kupfer, Messing und Bronze zur Anschaffung drei neuer Glocken ihrer Gemeinde St. Antonius. Damit der Guss aber ermöglicht werden konnte, stellten viele Mitglieder ihre Deputatkohle zur Verfügung. Und nicht zuletzt, hat sich Josef Klaas persönlich dafür eingesetzt, dass die Glocken noch vor der Währungsreform in Freisenbruch eintrafen. So konnten sie am 12. Juni 1948 um 15 Uhr an der Pfarrgrenze bei Luttropp in Empfang genommen werden.
 
Die folgenden Jahre waren ausgefüllt mit Schulungen und Exerzitien. Durch die Reisefreudigkeit des Vorsitzenden Jupp Klaas unternahm der Familien-Fahrtenring“ mindestens vier, manchmal auch fünf oder sechs Omnibusfahrten pro Jahr. Sie gingen in alle Himmelsrichtungen. Ob Münster- oder Sauerland, Eifel,Niederrhein oder der Teutoburger Wald, das Bergische-, Oldenburger-, und Rheinland wurden besucht. Obwohl die Reiseziele vorher nicht bekannt gegeben wurden, waren sie stets ausgebucht. Der Verein übernahm Paten- schaften für mehrere Kinder der afrikanischen Mission. 
 
Im Jahre 1969 stellte Josef Klaas sein Amt als Vorsitzender aus Alters- und Gesundheitsgründen zur Verfügung. Auf Vorschlag des neuen Vorsitzenden, Hans Golücke, wurde Josef Klaas zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
 



   KAB - 1960 - Ausflug des Katholischen Arbeitervereins

 

 

Neben der Vereinsführung übernahm der Verein, wie auf Verbandsebene schon seit dem Ende des zweiten Weltkrieges geschehen, nun den Namen "Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB).
 
1971 gab der Verein sein Vereinslokal Renzel auf und hielt seine Versammlungen im alten Schwesternhaus und Kindergarten, dem jetzigen Pfarrheim, ab. Dem neu gebauten Kindergarten wurde ein Geldbetrag für die Anschaffung von drei Kreuzen übergeben. Da die alte Reiselust nicht mehr aufrecht gehalten werden konnte, entschloss man sich stattdessen zur Veranstaltung eines Herbstfestes im Hause Springob. Dieses Fest ist ein fester Bestandteil des Vereins, an der auch heute noch festgehalten wird.
Der damalige Vorsitzende Oskar Kornberger leitete die Gründung einer Jung-KAB ein und fand auch bei den älteren Mitgliedern Zustimmung, da man durchaus die Gefahr einer Überalterung des Vereines erkannte. Der Verein konnte wieder steigende Mitgliederzahlen verzeichnen.
 
Jedes Jahr wurden mehrtägige Bildungswochenenden in den eigenen KAB Häusern durchgeführt, die junge und auch ältere Mitglieder ansprachen, sowie solidarisierten. Für alle Vereinsmitglieder fand zu Pfingsten im Deilbachtal, später auch im Westerwald, ein Zeltlager statt. Das traditionelle Herbstfest wurde zeitweise durch River-Boat-Shufflen auf Ruhr und Baldeneysee ersetzt. Barbarafeier und Josefsfeier wurden überarbeitet und bekamen ein neues Gewand.
1978 wurde erstmals eine Karnevalsveranstaltung durch die J-KAB im Hause Luttropp organisiert, die seitdem immer noch äußerst erfolgreich durchgeführt wird. 
 
Bei den Erweiterungs- und Umbaumaßnahmen unseres Pfarrheims stellte die J-KAB ihre Arbeitskraft zur Gestaltung des Außenbereichs zur Verfügung und für die Renovierung des Flügelaltares veranstaltete die Jung-KAB eine Putzaktion. Die jungen Mitglieder putzten in der Gemeinde Treppen und Fenster, mähten Rasen und fällten Bäume. Der so erzielte Gewinn wurde der Pfarre gestiftet.
 
1987 war Jubiläumsjahr. Der Verein blickte auf seine 100 Jährige Geschichte zurück. Zu den großen Feierlichkeiten kam auch der inzwischen verstorbene Bischof Dr. Franz Hengsbach in die Pfarre. Die Feierlichkeiten dauerten mehrere Tage und wurden durch einen Einkehrtag eingeleitet. Eine Woche später wurde das Pontifikalamt durch den Bischof in unserer Pfarrkirche gehalten. In der anschließenden Festakademie sprach der Verbandspräses Msgr. Walter Andermahr. An einem "Bunten Abend", der wiederum eine Woche später stattfand, wurde ausgiebig gefeiert und den Abschluss bildete ein Hallenfußballturnier in der Wolfskuhle, das für alle J-KAB Gruppen im Bistum Essen veranstaltet wurde.
 
Seitdem sich die Pfarre entschlossen hatte, eine neue Orgel in Auftrag zu geben, hat der Verein fast alle Gewinne aus Festen und Feiern dem zu diesem Zweck gegründeten Orgelbauverein zur Verfügung gestellt. Auch ein erheblicher Teil der Renovierungskosten des Antoniusfensters in unserer Pfarrkirche wurde von der KAB übernommen, nämlich jenes Fensters, das vor einhundert Jahren vom christlichen Arbeiterverein gestiftet wurde.
 
Doch auch die Jugendlichen der Jung-KAB sind älter geworden. Sie haben geheiratet und Kinder bekommen. Dadurch wurde die KAB zu einem Verein für junge Familien. Das Angebot wurde entsprechend um Kinderbastelnachmittage und Familienausflüge ergänzt. Durch diese Familienarbeit hat der Verein in den 90er Jahren eine ganze Reihe neue, nach Freisenbruch zugezogene Familien, als Mitglieder gewonnen.
 
Aber mittlerweile sind die Kinder der meisten Familien schon groß. Familienausflüge werden wieder zu Wandertagen, Veranstaltungen finden auch schon mal wieder am Abend statt und seit einiger Zeit haben wir auch wieder eine Jung-KAB Gruppe, zu der hoffentlich auch noch neue Mitglieder stoßen. Aber auch bei den "Alten" freuen wir uns immer über neue Gesichter und man kann auch einfach mal "nur zum Gucken" kommen.
 

             
Pättkeswallfahrt 2004            Karneval 2007
            
Herbstfest 2007                  Barbarafeier 2007
          
        Bergbaumuseum 2010         Einkehrtag Bochum Stiepel 2012
 

 

Selbstverständlich können nicht alle Bemühungen eines Vereins der seit nunmehr 125 Jahren besteht, hier aufgeführt werden. Es wird aber deutlich, wie sehr die KAB mit der Pfarrgemeinde St. Antonius von Anbeginn verwoben ist.
 
Von der Gründung unserer Gemeinde bis heute mussten viele Schwierigkeiten, die auch von Außen herein getragen wurden, überwunden werden. Dies ist allen engagierten Verbänden und Gremien recht gut gelungen. Durch die Zusammenlegung mit den beiden Nachbargemeinden  St. Altfrid und Herz-Jesu zu einer Gemeinde (im Jahr 2003) kam der erste Umbruch und durch die Zusammenlegung mit den Gemeinden St. Josef - Horst, St. Barbara - Kray und St. Laurentius - Steele zu einer "XXL-Großgemeinde" werden weitere Umwälzungen unser Pfarr- und Vereinsleben beeinflussen. Hier ist die Zusammenarbeit aller erforderlich.
Die KAB St. Antonius ist bereit, ihren Anteil dazu beizutragen. Vielleicht sind auch noch andere Gemeindemitglieder bereit, auf der Basis einer alten Tradition die Zukunft neu zu gestalten. 
 
 
Neue Mitglieder sind stets willkommen!  
 
 
 
 

 

aktualisiert am 18. September 2017

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